Herzogsteg

Vom Rokokosaal (1766) und Goethe-Anbau (1805) führt seit 1825 der Herzogsteg in den Turm. Man geht unter freiem Himmel über das flache Dach der neogotischen Vorhalle und betritt den Turm auf der zweiten Galerie. Wohl auf Anregung von Herzog Carl August wurde eine barrierefreie Verbindung zwischen den beiden wichtigsten Sammlungsräumen der Bibliothek – dem Rokokosaal des 18. Jahrhunderts und dem Bibliotheksturm des frühen 19. Jahrhunderts – geschaffen. Im Hauptgeschoss passierte man die im Goethe-Anbau aufgestellten Gipsabgüsse antiker Statuen und einen Durchgangsraum, der eine Ahnengalerie der Weimarer Herzöge enthielt (siehe auch Huldigungsschriften). Seit 2022 befindet sich dort das Militärkabinett, das Objekte aus der im Turm aufgestellten Militärbibliothek zeigt, an die Doppelschlacht von Jena und Auerstedt von 1806 erinnert und das Wissen des Krieges von der frühen Neuzeit bis heute vergegenwärtigt. Weimar ist nicht nur ein Ort der klassischen Literatur, Bildung und Humanität, sondern war oft auch Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen, von den Religionskriegen der Lutherzeit, über den Dreißigjährigen Krieg und die Napoleonischen Kriege bis hin zu den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Auf dem Herzogsteg steht man genau zwischen diesen beiden Polen – dem klassischen Weimar, wie man es im Rokokosaal oder im Park an der Ilm sieht, und der modernen Gewaltgeschichte, wie sie im Turm archiviert ist.

Kategorie: RÄUME