Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar) prägte Weimar wie kein anderer und verbrachte dort den Großteil seines Lebens – von seiner Ankunft im Jahr 1775 bis zu seinem Tod 1832. Diese wichtigste und produktivste Zeit seines Lebens und Schaffens lässt sich in drei zentrale Phasen unterteilen:
1. Sturm und Drang & Politisches Wirken (1775–1786)
Als Sohn eines vermögenden Juristen 1749 in Frankfurt am Main geboren, fand Goethe schon jung zur Literatur, bereits als 5-jähriger verfasste er eigene Texte. Mit seinen „Leiden des jungen Werther“ gelang ihm 1775 ein sensationeller Erfolg, der den noch jungen Herzog Carl August dazu veranlasste, Goethe nach Weimar zu holen. Nach anfänglichem „Genietreiben“ übernahm dieser bald ernsthafte Regierungsverantwortung: Goethe wurde Geheimer Legationsrat, leitete die Finanzkammer und war für den Wegebau sowie die Wiederbelebung des Bergbaus in Ilmenau zuständig. Die Last der Staatsgeschäfte und die unerfüllte Liebe zu Charlotte von Stein führten 1786 zu seiner heimlichen Flucht nach Italien.
2. Die Weimarer Klassik (1788–1805)
Nach seiner Rückkehr aus Italien widmete sich Goethe verstärkt der Kunst und Wissenschaft: Seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit Friedrich Schiller markiert ab 1794 die Hochphase der Weimarer Klassik. Als Direktor des Weimarer Hoftheaters prägte Goethe die deutsche Theaterlandschaft, er betrieb intensive Studien zur Optik (Farbenlehre), Botanik und Geologie.
3. Das späte Werk und der "Frauenplan" (1805–1832)
Ab 1782 (ab 1801 als Eigentum) bewohnte er das barocke Wohnhaus am Frauenplan, das heutige Goethe-Nationalmuseum. Hier vollendete er monumentale Werke, vom „Wilhelm Meister“ über den „Faust“ bis hin zum autobiographischen „Dichtung und Wahrheit“. Weimar wurde unter Goethes Ägide zu einem der geistigen Zentren Europas; Gelehrte und Künstler aus aller Welt suchten seine Nähe. Auch die Weimarer Hofbibliothek gelangte in dieser Zeit zu internationalem Rang. Mit mehr als 3000 Ausleihen war Johann Wolfgang von Goethe nicht nur Benutzer, seit 1797 war er auch Direktor der damals Herzoglichen Bibliothek. In zeitgemäß wissenschaftlicher Ausrichtung wuchsen die Bestände in seiner 35-jährigen Amtszeit von 50.000 auf 120.000 Bände. Seiner Auffassung von „Weltliteratur“ entsprechend finden sich darunter auch zahlreiche Übersetzungen. 1798 erließ Goethe eine wegweisende Benutzungsordnung, die den Zugang zur Bibliothek für Forschung und Öffentlichkeit neu definierte. Er leitete die Bibliothek bis zu seinem Tod im Jahre 1832.